Mittwoch, 30. Dezember 2009

Four calls ahead of you

Es kam dann gleich an, das elektronische Gift Certificate, das ich meiner langjährigen, in die USA enteilten Freundin anlässlich der Geburt ihres dritten Kindes geschenkt habe. Ein Geschenkgutschein nur, weil, was viele ja gar nicht wissen oder bereits wieder vergessen haben, weil also das, was man wirklich braucht, sobald ein Neugeborenes zu hause das Regiment übernimmt, banaler Kleinkram ist: Bodies, Strampler, Windeln, Windeln, Windeln. Etwas später Aptamil und jede Menge Hipp. Wenig Hopp. Keine Geschenke also, die was hermachen, mit denen man sich profilieren könnte, so dass ich trotz dessen, was zu recht über Gift Cards gesagt wird, und allen Untersuchungen über den "deadweight loss of Christmas" zum Trotz, letzten Endes zu Amazon.com bin. Denn Windeln haben die dort auch.

Puh.

Der dritte Versuch war's, nach diapers.com, nach Babies"R"Us. Letztere, Babies"R"Us, ermöglichen ein fast angenehmes Scheitern immerhin, denn obgleich ich dort erst ganz am Ende des Bestellprozesses erfahren habe, dass jemand, der außerhalb der USA wohnt, ich!, keine Geschenkgutscheine bestellen darf, und zwar auch dann nicht, wenn der Empfänger in den USA lebt, war zum einen der Vorgang selbst so unterhaltsam wie kurzweilig, zum anderen erfährt man das ja noch vor dem Ende.

Und nicht erst danach, wie bei diapers.com, dem neuen Wet Dream jedes Venture-Kapitalisten. Diapers.com nämlich hat mir erst dreißig Minuten nach Abschluss der Bestellung eine E-Mail geschickt, ich möge doch bitte beim customer care anrufen. In den USA. Was ich tatsächlich auch getan habe. Nachdem ich zu Beginn dieses Anrufs darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die gebührenfreie Nummer für Gespräche aus dem Ausland genau das nicht sei, gebührenfrei, nach ein paar Minuten Warteschleife, there are four calls ahead of you, und nach ein bisschen hin und her hat die Support-Mitarbeiterin, mit der ich es dann zu tun hatte, auch gesagt, sie verstehe es nun. Ich wohnte also in Hamburg, Germany.

Ob ich ihr denn den nächstgelegenen Highway nennen könne?

Ähm, ja. Ich musste gestehen, dass durch Hamburg zwar mindestens vier, wenn nicht fünf Autobahnen führen, ich aber nicht die Nummer auch nur einer einzigen wisse. Daraufhin bat sie mich um den Namen der nächsten Stadt.

Hamburg hat knapp 1,8 Millionen Einwohner, ist die zweitgrößte Stadt Deutschlands, siebtgrößte der Europäischen Union, doch um zu wissen, wo dieses Hamburg denn nun genau liegt, benötigt sie den Namen der nächsten Stadt.

Ich hab's ja immer schon gesagt, und so kommt meine Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Berlin." Die Customer-Care-Mitarbeiterin bedankt sich, bittet mich zu warten, schickt mich in eine weitere Warteschleife, versucht wohl zugleich, mich an einen Kollegen durchzustellen, Minuten verstreichen, die Musik bricht ab, und unmittelbar darauf auch die Verbindung.

Oooookayyyyyyy ...


Zweiter Versuch, ein weiteres Mal die Warteschleife, wieder "four calls ahead of you" - ist das eine Konstante? - ein weiterer Customer-Care-Mitarbeiter, ein weiteres Mal versteht er das Problem: die Empfängerin des Gift-Certificates lebt in den USA, der Käufer hingegen in Hamburg, Germany.

Danach bat er mich um den Namen des nächsten Highway.

Man muss ihm zugute halten, diesem zweiten Customer-Care-Mitarbeiter, dass er mir bei der Stornierung des Auftrags half. Schnell, zügig, zuvorkommend. Seine Frage hingegen, ob er mir mit noch was anderem dienen könne, habe ich ignoriert.

Auf Slate.com gibt Joel Waldfogel den Rat, nie wieder was zu schenken. This man is definitely ahead of me.

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